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Der Bildschirmarbeitsplatz – eine besondere Belastung für die Augen?

Mit der zunehmenden Bedeutung moderner Technik haben sich in allen Bereichen des Lebens die Anforderungen an unsere Sehschärfe verändert: im Straßenverkehr, im Haushalt und im Berufsleben. Während der Anteil der Arbeit mit vorwiegend körperlicher Beanspruchung ständig abnimmt, wächst die Anzahl an Bildschirmarbeitsplätzen. Die Augen sind dabei besonderen Belastungen ausgesetzt.

Geräte für die Bildschirmarbeit stellen nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft keine Gefahr für die Gesundheit dar, wie Untersuchungen des Arbeitskreises "Sehen am Arbeitsplatz" im Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. zeigen. Danach ist erwiesen, dass Erkrankungen oder organische Veränderungen am Auge durch Strahlen vom Bildschirm unmöglich sind. Allerdings können bestimmte Krankheiten und Beschwerden begünstigt werden, wenn bestimmte Regeln nicht eingehalten werden, wie sie in der Bildschirmarbeitsverordnung festgehalten waren und nun in der Arbeitsstättenverordnung verankert sind. „Ein PC Bildschirm strahlt relativ hohe Anteile an energiereichem Blau- und UV Licht ab. Dies kann Grauen Star begünstigen oder aber das Sehpigment der Netzhaut besonders beanspruchen, sodass es früher ausbleicht (Makuladegeneration)“, erklärt Augenarzt Dr. med. Omid Kermani.

„Durch Wärmestrahlung (Infrarot) am Bildschirmarbeitsplatz wird auch die Benetzung der Augen mit natürlicher Tränenflüssigkeit besonders belastet. Die Folge sind tränende und brennende Augen sowie chronische Lidrandentzündungen bis hin zur Entstehung von sogenannten Gerstenkörnern.

Ein weiterer wichtiger Grund für zu starke Belastung ist die unnatürliche starre Augenposition vor dem Bildschirmarbeitsplatz. Die Augen können nicht schweifen und den Fokus wechseln. Das kann oft Ursache für Augenprobleme, Verspannungen, Kopfschmerzen und Beschwerden im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule sein. Ausgedehnte Bildschirmarbeit insbesondere im Kindes- und Jugendalter befördert die Entstehung von Kurzsichtigkeit.“ 

Ergonomie am Arbeitsplatz 

Um eine zu hohe Belastung der Augen zu vermeiden und die Ergonomie zu fördern, müssen am Bildschirmarbeitsplatz spezielle Anforderungen erfüllt werden. Durch den von den gewerblichen Berufsgenossenschaften gemeinsam mit den Augenärzten erlassenen Grundsatz "G 37, Bildschirmarbeitsplatz" wurden besondere Sicherheitsregeln für die Gestaltung festgelegt.

Wichtig: die optimale Arbeitsplatzbeleuchtung

Die Beleuchtung am Arbeitsplatz spielt eine entscheidende Rolle in Bildschirmarbeitsverordnungen. Eine zu starke Beleuchtung im Büro erschwert die visuelle Wahrnehmung; bei einer zu niedrigen vermindert sich die Sehschärfe. Tageslicht gilt allgemein für jeden Arbeitsplatz als optimale Beleuchtung. Für Bildschirmarbeitsplätze am Fenster kann es aber unter Umständen zu hell sein. In diesem Fall helfen Vorhänge oder Jalousien ich leichten Farben.

Um die ideale Beleuchtungsstärke für den Arbeitsplatz zwischen 400 und 600 Lux zu erreichen, kann man in der Regel auf Kunstlicht nicht verzichten. Farbige Leuchtkörper und "nackte" Leuchtstoffröhren sind grundsätzlich zu vermeiden. Sofern die Leuchten nicht in die Decke eingelassen sind, sollten sie längs zur Blickrichtung installiert sein. Besonders bewährt haben sich Prismen- und Rasterleuchten, da sie unter anderem auch für gleichmäßige Lichtverteilung sorgen.

Störende Reflexionen auf dem Bildschirm können zu Beschwerden führen und entstehen z.B. durch Fenster, sehr helle Wände und Möbeloberflächen, die sich auf der Bildschirmfläche spiegeln. Selbst durch kleinste Reflexe nimmt man bei der Arbeit unbewusst die Körperhaltung ein, durch die man diesen am besten ausweichen kann. Durch solche Fehlhaltungen während der Bildschirmarbeit können Muskelverspannungen resultieren, die zu Kopfschmerzen bis hin zu Haltungsschäden führen.

Wie sollte man bei der Arbeit den Bildschirm einstellen

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für ermüdungsfreies Sehen ist der richtige Bildschirmabstand, der idealerweise 50 bis 70 cm zum Auge betragen sollte. Um den Bildschirm richtig einzustellen, sollte er nicht über die Augenhöhe hinausreichen. Für das Display wird ein Winkel, der eine Blickneigung von etwa 30° begünstigt, als besonders angenehm für die Bildschirmarbeit empfunden.

Um übermäßige Kontrastsprünge zu vermeiden, sollten Wände und Möbel im Bereich des Computerarbeitsplatzes einen mittleren Reflexionsfaktor (z.B. Beige) haben. Als gesunder Bürostuhl eignet sich am besten ein höhenverstellbarer Drehsessel, der den ganzen Körper stützt. Ein in der Höhe verstellbarer Arbeitstisch ist zu empfehlen, wenn der Bildschirmarbeitsplatz regelmäßig von verschieden großen Personen besetzt werden. Ausgehend von der empfohlenen Tischhöhe von 720 mm, sollte für die Beine ein Mindestspielraum von 650 mm Höhe gewährleistet sein.

Belastungen am Bildschirmarbeitsplatz: Überforderte Augen und Kopfschmerzen

Viele Menschen reagieren mit Kopfschmerzen und Augenproblemen auf eine schlechte Gestaltung des Arbeitsplatzes, ohne dass sie sich der Ursachen wirklich bewusst sind. Je nach Charaktertyp des Menschen können unterschiedliche Symptome wie Flimmern vor den Augen und Kopfschmerzen, Unwohlsein, Abgeschlagenheit oder brennende Augen auftreten, wenn bei der Bildschirmarbeit bestimmte Anforderungen nicht beachtet werden. Werden die Ursachen nicht behoben, kann sich mit der Zeit durch die Belastung eine psychosomatische Erkrankung entwickeln. Bei der Gestaltung eines ergonomischen Bildschirmarbeitsplatzes sollten deshalb die wahrnehmungs-physiologischen und psychologischen Bedürfnisse des Menschen im Vordergrund stehen.

Augenarzt Dr. Kermani kennt einige Tipps gegen angestrengte Augen: „Kurze Pausen, frische Luft und das sogenannte palmieren der Augen, also das Massieren der geschlossenen Augen mit der flachen Handinnenseite. Gegen Augentrockenheit helfen frische Luft und Pausen bei der Bildschirmarbeit, Rauchen befördert das unangenehme Gefühl. Bei chronischen Beschwerden helfen künstlicher Tränenersatz und es gibt wissenschaftlich belegbare Hinweise darauf, dass Nahrungsergänzung mit Omega III Fettsäuren hilfreich sind.“

Sehen und Sehhilfen für die Bildschirmarbeit

Gesunde Augen und eine gute Sehschärfe sind die wichtigsten Voraussetzungen, um den Anforderungen an den Bildschirmarbeitsplatz gewachsen zu sein. Wer am Monitor tätig ist, sollte sich grundsätzlich vom Augenarzt untersuchen lassen. Häufig kann eine exakt angepasste Arbeitsplatzbrille die Computerarbeit wesentlich erleichtern.

Auch hinsichtlich der Sehschärfe definieren Bildschirmarbeitsverordnungen exakte Vorschriften. Der Grundsatz "G 37, Bildschirm-Arbeitsplatz" legt fest: Mitarbeiter sind ohne weiteres für diese Arbeit geeignet, wenn sie auf beiden Augen 0.8 der normalen Sehschärfe (1.0) erreichen.

Zeigt sich beim sogenannten Siebtest, dass die vorgeschriebene Sehschärfe nicht erreicht wird, ist eine augenärztliche Untersuchung erforderlich. In den meisten Fällen kann die Fehlsichtigkeit mit einer entsprechenden Brille korrigiert werden, um die Bildschirmarbeit wieder zu erleichtern. 

Welche Brille ist die richtige für die Bildschirmarbeit?

Grundsätzlich sind die herkömmlichen Kontaktlinsen oder Brillen auch für den Bildschirmarbeitsplatz geeignet. Getönte oder phototrope Gläser sind für den Büroarbeitsplatz nicht gemacht, da sie die Leuchtdichteverhältnisse ungünstig verändern. Entspiegelte Gläser dagegen haben den Vorteil auf dem Brillenglas auftretende Reflexe herabzumindern, auch Brillengläser mit Filter können die Augen wirksam schützen. Verschiedene Hersteller haben sogar besondere Bildschirmbrillen entwickelt, die verschiedenen Beschwerden vorbeugen können.

Etwa ab dem 40. Lebensjahr nimmt die natürliche Nah-Sehschärfe ab. Das ist eine ganz normale Entwicklung, hervorgerufen durch die nachlassende Fähigkeit der Augen, sich auf nähere Ziele einzustellen (Akkommodation).

Bei fortgeschrittener Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) reicht eine einfache Lesebrille oder Gleitsichtbrille für die Bildschirmarbeit nicht mehr aus. Denn die Distanz vom Auge zum Bildschirm oder zur Textvorlage ist eine andere als beim Lesen von Schriftstücken. Je weniger sich das Auge auf Entfernungsunterschiede einstellen kann, umso mehr kommt es darauf an, dass die Korrektionswerte der Gläser exakt auf die für die Bildschirmarbeit erforderlichen Sehdistanzen abgestimmt sind. Hier eignet sich eine spezielle Bildschirmbrille, die regelmäßig vom Augenarzt überprüft und angepasst wird.