Hintergrundinformationen zur Add-On-Linse
Was ist Grauer Star?
Der Graue Star (Katarakt) ist die weltweit häufigste Augenerkrankung. Dabei sind die Behandlungsmethoden sehr weit ausgereift. In Deutschland werden jährlich etwa 400.000 Patienten operiert. Meist ältere Menschen sind betroffen, aber auch in jungen Jahren kann der Graue Star im Einzelfall bereits auftreten. Beim Grauen Star ist die normalerweise kristallklare Augenlinse getrübt. Zwischen 60 und 75 Jahren haben fast hundert Prozent der Mitteleuropäer mehr oder weniger starke Trübungen der Augenlinse entwickelt. Sobald diese das Sehvermögen einschränken, spricht man von der Erkrankung am Grauen Star. Das Licht kann die trübe Augenlinse nur noch schlecht durchdringen, zusätzlich kann es zu einer Streuung des einfallenden Lichts kommen. In der Folge kann im Auge - genauer auf der Netzhaut des Auges – kein klares Bild der Umwelt mehr entstehen. Der Patient bemerkt zunächst einen Verlust an Sehschärfe, zunehmende Blendungsempfindlichkeit sowie ein gestörtes Kontrast- und Farbensehen. Diese Einschränkungen können heutzutage durch die ausgereiften Operationsmethoden behoben werden. Die neuesten Innovationen wie die Add-On-Linse bringen zudem die Möglichkeit, neben einer Altersichtigkeit bestehende, auch extreme, Fehlsichtigkeiten zu beheben.

Was ist Alterssichtigkeit? Wenn man die Zeitung zunächst etwas weiter weg hält und dann eine Lesebrille benötigt, hat sie eingesetzt: die Altersweitsichtigkeit, die in Fachkreisen auch Presbyopie genannt wird. Hier ist ebenfalls die Augenlinse betroffen. Bei jungen Menschen ist die Linse elastisch und kann sich auf unterschiedliche Entfernungen einstellen. Etwa ab dem 40. Lebensjahr verhärtet sie sich und verliert diese Fähigkeit zur „Akkommodation“. Aufgrund des meist fortgeschrittenen Alters der Patienten ist bei Grauem Star meist auch eine Presbyopie vorhanden, die sich beide durch einen Linsenaustausch beheben lassen. Was passiert beim Linsenaustausch? Bei einem Linsenaustausch wird die körpereigene Linse durch ein Kunstlinsen-Implantat ersetzt. Während bei der herkömmlichen Katarakt-OP eine monofokale Linse eingesetzt wird, die nur ein scharfes Sehen in der Ferne ermöglicht, bringen die innovativen multifokalen Implantate ein scharfes Sehen in die Nähe und in die Ferne. Die Optik der Add-On-Linse funktioniert im Prinzip wie eine Gleitsichtbrille im Auge: Verschiedene optische Bereiche sorgen dafür, dass das Licht je nach Bedarf richtig gebündelt wird. Die Add-On-Linse wird vor eine bestehende Kunstlinse gesetzt, die z.B. schon auf Grund einer früheren Katarakt-OP implantiert wurde. Es kann auch sinnvoll sein, beide Implantate gleichzeitig bei einer OP einzusetzen. Bei dem Verfahren spricht man auch von einer Dualen Implantation. Multifokallinse oder Duale Implantation? Multifokallinsen kommen bereits seit längerem zum Einsatz, um nach einem Linsenaustausch in die Ferne und in die Nähe scharf zu sehen. Die Add-On-Linse ist eine Ergänzung des Behandlungsspektrums, vor allem jedoch ermöglicht sie vielen Patienten Brillenfreiheit, für die dies bisher überhaupt nicht oder nur sehr schwer möglich war. Dies betrifft insbesondere alle Menschen, die bereits in früheren Jahren mit einem Linsenaustausch behandelt wurden und sich auch eine Brillenfreiheit wünschen. Die Add-On-Linse kann eine vorhandene Kunstlinse ergänzen, ohne dass ein aufwändiger Linsenaustausch notwendig ist. Die Add-On-Linse ist sehr dünn faltbar und kann mit einem minimalinvasiven Verfahren in das Auge eingepflanzt werden. Darüber hinaus ist die Add-On-Linse eine Option für alle Patienten, die akut eine OP des Katarakt benötigen und sich dabei aber auch eine gleichzeitige Behandlung von Fehlsichtigkeiten wünschen – als Alternative zur Multifokallinse. Die Einsatzmöglichkeiten der Add-On-Linse sind vielfältiger. Beide Linsen erfordern eine Eignung für multifokales Sehen, die im Vorfeld geprüft wird. Wenn hier Zweifel bestehen, ist die Duale Implantation die Methode der Wahl, da sich die Zweitlinse jederzeit wieder auf einfache Weise entfernen lässt (Reversibilität). Ebenfalls wird man sich für die Add-On-Linse entscheiden, wenn weitere Veränderungen im Auge zu erwarten sind, z. B. bei fortschreitender Fehlsichtigkeit oder beginnender Makuladegeneration. Auf eine veränderte Situation im Auge, wenn eine bestehende künstliche Linse nicht mehr gänzlich die gewünschten Effekte erreicht, lässt sich mit der Huckepack-Methode besser reagieren. Ob eine Einzellösung mit der Multifokallinse oder die flexiblere Variante per Basislinse plus Add-on besser geeignet ist, hängt von der individuellen Diagnose ab und ist je nach Einzelfall zu klären. Was hat es mit dem UV-Lichtschutz auf sich? Sowohl Multifokallinsen als auch Add-On-Varianten sind mit oder ohne Blaulichtfilter erhältlich. Die menschliche Linse ist mit einem natürlichen Schutz vor energiereichem Blaulicht ausgestattet, das sonst die Netzhaut angreift. Wird die körpereigene Linse bei der Katarakt-OP entfernt, können spezielle Blaufilterlinsen diese Schutzfunktion übernehmen. Gerade für Patienten, die für eine Netzhautdegeneration gefährdet sind, ist der UV-Lichtschutz daher zu empfehlen. Der Filter bietet noch einen weiteren Vorteil: Der Seheindruck beim Farbensehen ist so besonders natürlich.
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